22. September 2026

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Akkus setzen immer öfter Müllberge in Brand: Elektrifizierung hält Feuerwehr auf Trab

 

E-Autos, E-Scooter und Co. haben das feurige Akku-Problem in die Schlagzeilen gebracht. Lithium-Ionen-Akkus stecken aber längst auch in Zahnbürsten, E-Zigaretten und zahllosen anderen Alltagsgegenständen. Sie sind praktisch überall. Mit der Elektrifizierung steigt auch die allgegenwärtige Brandgefahr. Feuerwehren bekommen die Folgen inzwischen täglich zu spüren.

Die Elektrifizierung des Alltags schreitet voran. E-Bikes und E-Roller gehören zum Straßenbild, Powerbanks stecken in etlichen Hand- und Hosentaschen, Zahnbürsten, Kinderspielzeug und Einweg-E-Zigaretten enthalten ebenfalls Lithium-Ionen-Zellen. Über Nachhaltigkeit und angebliche „Klimabilanzen“ wird zwar ausführlichst diskutiert, weniger Aufmerksamkeit erhält aber die Frage, was eigentlich passiert, wenn die immer zahlreicher werdenden Akkus am Ende ihres Lebens dort landen, wo sie nicht hingehören.

Im Juni berichtete der ORF über steigende Brandzahlen durch falsch entsorgte Akkus: Einer Studie der Montanuni Leoben zufolge fänden sich in einer Tonne Restmüll im Schnitt acht Lithiumbatterien. Auf das Jahr gerechnet entspreche das österreichweit um die 17 Millionen falsch entsorgter Akkus. Diese können durch den Pressvorgang im Müllwagen leicht in Brand geraten – oder später in der Sortieranlage. Für die Entsorger bedeuten diese Brände immense Kosten. Versicherungen sind schwer zu finden oder kommen mit hohen Selbstbehalten.

Daten aus Großbritannien verdeutlichen das Ausmaß des Problems: Nach Zahlen der britischen Environment Services Association (ESA, der Branchenverband der Abfallwirtschaftsunternehmen), über die kürzlich der „Guardian“ berichtete, registrierten die Mitgliedsunternehmen des Verbandes im Jahr bis März 2026 insgesamt 1.518 Brände. Mindestens 541 davon wurden unmittelbar auf Lithium-Ionen-Batterien zurückgeführt. Hinzu kamen 216 Batteriebrände in Müllfahrzeugen. Rechnerisch brennt es allein in Recyclinganlagen wegen falsch entsorgter Lithium-Akkus mehr als zehnmal pro Woche.

Dabei dürfte selbst diese Zahl das Problem unterschätzen. Bei vielen Großbränden lässt sich die ursprüngliche Zündquelle später gar nicht mehr feststellen. Nach Angaben der ESA können rund 40 Prozent der Feuer in Recyclinganlagen sicher Batterien zugeschrieben werden. Der Verband hält einen tatsächlichen Anteil von bis zu 70 Prozent für möglich. Die geschätzten jährlichen Schäden durch Batteriebrände seien von 150 Millionen Pfund im Jahr 2021 auf inzwischen rund eine Milliarde Pfund gestiegen.

Ein Akku genügt

Der „Guardian“ nannte eine Reihe von konkreten Bränden in Recyclinganlagen und Müllfahrzeugen in Ilford, Caerwent, Widnes, Glasgow, Costessey und Dereham, bei denen Akkus als Ursache festgestellt oder vermutet wurden.

Gelangen Lithium-Ionen-Akkus in Müllpressen, Schredder oder Sortieranlagen, können ihre inneren Schichten beschädigt werden. Durch eine Beschädigung der Trennschicht entstehen interne Kurzschlüsse. Die Temperatur steigt, bis sich die Zelle entzündet.

Wie drastisch das aussehen kann, demonstrierte ein Versuch, den die ESA beim britischen Health and Safety Executive in Auftrag gab. Dabei wurde der Akku einer E-Zigarette neben Papier und Karton durchstochen. Die beschädigte E-Zigarette sprühte Funken und setzte das umliegende Material in Brand. Gemessen wurden Temperaturen von mehr als 750 Grad Celsius. Aus einem kleinen Wegwerfprodukt wird so innerhalb von Sekunden eine Zündquelle für Tonnen brennbaren Abfalls.

Besonders Einweg-E-Zigaretten bereiten der Branche deshalb Kopfzerbrechen. Sie sind billig, massenhaft verbreitet und haben eine ausgesprochen kurze Lebensdauer. Das Entsorgungsunternehmen Biffa hat nach eigenen Angaben allein in diesem Sommer rund 500.000 Vapes aus seinen Anlagen herausgeholt. Die ESA fordert für E-Zigaretten ein Pfand von fünf Pfund, das Verbraucher zur Rückgabe bewegen soll.

Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe plädierte für finanzielle Anreize für die korrekte Entsorgung. Bei Entsorgungsunternehmen prangerte man den übermäßigen Gebrauch der Akkus an: Es brauche Gesetze, „dass man nicht in jedem Produkt, sei es eine Grußkarte oder was auch immer, solche Akkus oder Batterien verbauen darf“. Außerdem brauche es mehr Bewusstseinsbildung für die richtige Entsorgung von Lithiumbatterien.

Vielen Verbrauchern sind die Risiken tatsächlich überhaupt nicht bewusst. Dass ein alter Akku kein gewöhnlicher Müll ist, wissen viele nicht. Großbrände auf Recycling- und Schrottplätzen sind zeitaufwendig zu löschen, binden erhebliche Ressourcen der Feuerwehr und verursachen nicht selten auch Schäden für Anwohner und Umwelt. Von den Kosten ganz zu schweigen. 

 

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