23. September 2026

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168 Amish-Kinder ohne chronische Erkrankungen: Ein kleiner Fall mit grosser Sprengkraft für die Impfdebatte

 

Eine Gruppe ungeimpfter Amish-Kinder im US-Bundesstaat New York sorgt für neue Diskussionen über Impfpflicht, Kindergesundheit und den Einfluss des Lebensstils auf chronische Erkrankungen. Im Mittelpunkt stehen drei Amish-Schulen mit insgesamt 168 Kindern, die sich seit Jahren gegen die staatlich vorgeschriebenen Impfungen stellen. Nach Angaben des Rechtsanwalts Aaron Siri, der die betroffenen Familien vertritt, sei bei keinem dieser Kinder eine chronische Erkrankung bekannt.

Siri präsentierte die Zahlen in einem Podcast-Gespräch mit Daniel Horowitz. Seiner Darstellung zufolge finden sich unter den 168 Schülern keine bekannten Fälle von Asthma, ADHS, Autismus oder juvenilem Diabetes. Gemessen an den Erkrankungsraten in der gesamten US-amerikanischen Kinderbevölkerung wären dagegen mehrere beziehungsweise Dutzende Fälle verschiedener chronischer Erkrankungen zu erwarten gewesen. Mehr als zwei von fünf Kindern in den USA leiden nach offiziellen Gesundheitsstatistiken an mindestens einer chronischen Erkrankung.

Die Zahlen sind bemerkenswert – sie beweisen allerdings keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen fehlenden Impfungen und dem behaupteten Gesundheitszustand der Kinder. Die 168 Schüler stellen keine randomisierte Vergleichsgruppe dar, und zahlreiche andere Faktoren unterscheiden Amish-Gemeinschaften von der übrigen US-Bevölkerung. Dazu gehören Ernährung, körperliche Aktivität, Umweltbelastungen, Medikamentengebrauch, medizinische Diagnostik und Lebensweise. Gerade deshalb wäre eine wissenschaftlich kontrollierte Untersuchung einer solchen Population interessant.

New York verhängt mehr als 118.000 Dollar an Strafen

Hinter der Gesundheitsdebatte steht ein handfester Rechtsstreit. New York schaffte 2019 unter dem damaligen Gouverneur Andrew Cuomo die religiöse Ausnahme von der Impfpflicht für Schulkinder ab. Schulen, die die vorgeschriebenen Impfquoten nicht einhalten, können seitdem mit Geldstrafen von mehreren Tausend Dollar pro Verstoss belegt werden.

Die drei betroffenen Amish-Schulen sollen inzwischen Strafen von insgesamt mehr als 118.000 Dollar angehäuft haben. Die Behörden halten dennoch an der Durchsetzung der Vorschriften fest. Siri erklärte, die Amish hätten grundsätzlich kein Interesse an langwierigen Auseinandersetzungen mit staatlichen Institutionen, sähen sich durch die Impfpflicht jedoch dazu gezwungen. Über den Konflikt berichtete auch die New York Post.

Die entscheidende Frage: Impfstatus oder Lebensweise?

Children’s Health Defense, die ursprünglich von Robert F. Kennedy Jr. geführte Organisation, greift den Fall auf und stellt grundsätzlich infrage, wie ungeimpfte Kinder als Gefahr für die öffentliche Gesundheit bewertet werden. Dabei wird insbesondere auf den behaupteten Gesundheitszustand der 168 Amish-Kinder verwiesen.

Doch genau an diesem Punkt muss zwischen einer auffälligen Beobachtung und einem wissenschaftlichen Beweis unterschieden werden. Amish-Kinder unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihres Impfstatus von vielen anderen amerikanischen Kindern. Sie wachsen häufig mit selbst erzeugten oder wenig verarbeiteten Lebensmitteln auf, verbringen viel Zeit körperlich aktiv, leben vergleichsweise weit entfernt von moderner Konsumkultur und nutzen medizinische Angebote teilweise anders als die übrige Bevölkerung.

Wenn die Angaben über die 168 Kinder stimmen, lässt sich deshalb aus ihnen allein nicht ableiten, dass Impfungen Asthma, ADHS, Autismus oder andere chronische Krankheiten verursachen. Umgekehrt wäre es ebenso voreilig, die Beobachtung als bedeutungslos abzutun. Wissenschaftlich interessant wäre gerade die Frage, welche Faktoren – Impfstatus, Ernährung, Umwelt, Bewegung, Medikamentengebrauch, genetische Voraussetzungen oder unterschiedliche Diagnosehäufigkeiten – den behaupteten Unterschied erklären.

Der Streit erreicht die höchste juristische Ebene

Der Konflikt hat inzwischen eine Dimension erreicht, die weit über drei kleine Schulen hinausgeht. Der Fall bewegt sich in Richtung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten und berührt damit eine grundsätzliche Frage: Wie weit darf der Staat bei der Durchsetzung von Impfpflichten gehen, wenn religiöse Gemeinschaften diese aus Gewissens- und Glaubensgründen ablehnen?

Einige der betroffenen Amish-Familien haben nach Angaben ihrer Vertreter bereits angekündigt, New York gegebenenfalls zu verlassen, sollte die Impfpflicht endgültig gegen sie durchgesetzt werden. Für sie steht damit nicht nur eine medizinische Entscheidung zur Debatte, sondern die Möglichkeit, ihre traditionelle Lebensweise weiterhin nach ihren religiösen Überzeugungen zu führen.

168 Kinder sind kein Beweis – aber eine Frage, die untersucht werden kann

Genau darin liegt die eigentliche Brisanz des Falles. Auf der einen Seite steht ein Staat, der Impfpflichten mit erheblichen Geldstrafen durchsetzt und dies mit dem Schutz der öffentlichen Gesundheit begründet. Auf der anderen Seite stehen 168 ungeimpfte Amish-Kinder, bei denen nach Angaben ihres Rechtsvertreters keine chronischen Erkrankungen bekannt sind.

Diese Beobachtung beweist weder, dass Impfungen chronische Krankheiten verursachen, noch dass ungeimpfte Kinder grundsätzlich gesünder sind. Sollten die Angaben jedoch medizinisch bestätigt werden, wäre die Gruppe wissenschaftlich durchaus untersuchenswert: Warum unterscheidet sich ihr Gesundheitszustand offenbar so deutlich vom amerikanischen Durchschnitt? Welche Rolle spielen Impfungen – und welche Ernährung, Umwelt, Bewegung, Medikamentengebrauch und Diagnostik?

 

168 Amish-Kinder ohne chronische Erkrankungen: Ein kleiner Fall mit grosser Sprengkraft für die Impfdebatte