Was bislang häufig als technische Modernisierung verkauft wird, bekommt eine wesentlich größere Dimension: Bei einer Veranstaltung am Rande der 81. UN-Generalversammlung wurde Nigerias digitale Identitätsinfrastruktur als Grundlage für den Zugang der Bürger zu Staat, Finanzsystem und digitaler Wirtschaft präsentiert.
Besonders bemerkenswert waren die Worte von Ibrahim Hadejia, stellvertretender Stabschef des nigerianischen Präsidentenbüros:
„In der neuen Weltordnung ist die digitale Identität nicht mehr nur dazu da, unsere Identität zu bestätigen.“
Sie sei zunehmend zur Grundlage geworden, über die Bürger Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen erhalten, am digitalen Wirtschaftsleben teilnehmen, von finanzieller Inklusion profitieren und mit Regierungen und deren Institutionen interagieren.
Hadejia verwies dabei auf das NIMC-Gesetz von 2026, das einen neuen Rechtsrahmen für ein „sicheres, interoperables und vertrauenswürdiges Identitätsökosystem“ schaffe. Die nationale Identitätsbehörde NIMC werde damit strategisch innerhalb der entstehenden digitalen öffentlichen Infrastruktur Nigerias positioniert und zur Root-Zertifizierungsstelle mit Aufsicht über DPI und PKI gemacht.
Wie weit die Pläne gehen, erklärte NIMC-Chefin Bisoye Coker-Odusote: Die digitale Identitätsplattform NINAuth soll perspektivisch als „Single Sign-on“ für private und staatliche Dienstleistungen dienen und auch grenzüberschreitend funktionieren.
Noch deutlicher wurde Olugbenga Agboola, Gründer und CEO des Zahlungsdienstleisters Flutterwave. Er sagte, man wolle die Arbeit der nigerianischen Identitätsbehörde NIMC „in die ganze Welt exportieren“.
Agboola beschrieb auch, was eine solche Infrastruktur ermöglichen soll: Bei einer Person könne über die nationale Identifikationsnummer NIN und die mit Banken verbundene BVN-Infrastruktur überprüft werden, wo sie wohnt, woher sie kommt, welche Postleitzahl und Adresse sie hat und wo sie ihr Bankkonto führt.
Seine Vorstellung formulierte er unmissverständlich: „Wir können überprüfen, wer du bist. Wir können dich überall auf der Welt identifizieren.“
Dahinter steht das Konzept der Digital Public Infrastructure (DPI): Digitale Identität, Zahlungssysteme und Datenaustausch werden miteinander verknüpft. Nigerias Pläne reichen dabei über zahlreiche Lebensbereiche – von staatlichen Dienstleistungen und Gesundheitsversorgung über Ausbildung bis hin zu Finanzdienstleistungen.
Befürworter versprechen bequemeren Zugang, weniger Betrug und einfachere Identitätsprüfungen. Doch je mehr Dienstleistungen und persönliche Informationen an eine einzige digitale Identität gekoppelt werden, desto drängender werden Fragen nach Datenschutz, Freiwilligkeit und Kontrolle.
Denn wenn dieselbe digitale ID zum Zugangsschlüssel für Behörden, Banken und private Dienstleistungen wird und eine Person damit weltweit überprüfbar ist, handelt es sich um weit mehr als einen digitalen Ausweis.
„In der neuen Weltordnung“ soll die digitale Identität nicht mehr nur bestätigen, wer ein Mensch ist. Sie entwickelt sich zur Infrastruktur, über die sein Zugang zur digitalen Gesellschaft organisiert wird.
