Im Herbst 1963 bat eine sterbende Frau in Gondo ihre Enkelin, ein gesticktes Altartuch zu holen, und führte deren Finger zu einer Stelle, wo die Stiche enger beieinanderlagen als überall sonst – eine Zahl, versteckt im Muster, die sie ihr Leben lang eingestickt hatte. Das Tuch liegt bis heute in derselben Familie im Wallis.
Im Jahr 1897 vermaß ein Markscheider im Auftrag der kantonalen Bergbauaufsicht Wallis, Heinrich Studer, einen Schacht bei Gondo. Sein amtlicher Bericht, heute im Kantonsarchiv Wallis, ist erhalten – mitsamt einem nie erklärten Nachtrag am Blattrand: einer einzelnen Zahl, dreiundsiebzig.
Unabhängig davon stickte eine Frau namens Agathe Zenklusen, deren Vater selbst an diesem Schacht gearbeitet haben soll, in jedes Altartuch ein verstecktes Muster aus exakt dreiundsiebzig engen Stichen. Zwei Träger, ein amtliches Dokument und ein Stück Stoff, die sich nie begegnet sind.
Für wen, glauben Sie, wurden diese dreiundsiebzig Stiche zum ersten Mal gesetzt?
Diese Dokumentation stützt sich auf historische Aufzeichnungen, archäologische Forschung und lokale mündliche Überlieferung. Sie stellt belegte Befunde neben Fragen, die bis heute offen sind. Wo sich die Darstellungen unterscheiden, werden beide gezeigt. Nichts davon wird als abschließendes Ergebnis behauptet.
