Wie frisch ist ein Apfel wirklich, wenn er im Supermarkt glänzt und fest aussieht?
Ein Apfel, der im Sommer im deutschen Supermarkt liegt, kann Monate zuvor geerntet worden sein. Durch die kontrollierte Atmosphärenlagerung wird seine Atmung drastisch verlangsamt: Sauerstoff wird reduziert, Kohlendioxid erhöht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit präzise gesteuert. So können Äpfel viele Monate gelagert werden, ohne äußerlich ihre Frische zu verlieren.
Doch während die Schale fest bleibt, verändert sich die Frucht weiter. Vitamin C, Polyphenole und Aromastoffe können während der langen Lagerung abnehmen. Gleichzeitig kommen Wachsbeschichtungen, Pestizidrückstände und unterschiedliche Regeln für importierte Äpfel hinzu.
Besonders interessant ist die Frage, was der Verbraucher überhaupt wissen kann. Bei lose verkauften Äpfeln ist das Erntejahr normalerweise nicht angegeben. Ein Apfel kann wenige Tage alt sein – oder viele Monate in einem CA-Lager verbracht haben. Optisch lässt sich dieser Unterschied kaum erkennen.
Auch die Apfelsorte spielt eine entscheidende Rolle. Moderne Handelssorten werden unter anderem auf Lagerfähigkeit, Festigkeit, einheitliches Aussehen und Transportfähigkeit gezüchtet. Ältere Sorten können dagegen ein völlig anderes Aroma und Polyphenolprofil besitzen.
Die Geschichte des Apfels im Supermarkt ist deshalb nicht einfach eine Geschichte von frisch oder alt. Sie ist eine Geschichte über Lagertechnik, Züchtung, Chemie, Handel und die Frage, was „Frische“ eigentlich bedeutet.
Wie alt ist der Apfel, den Sie heute essen? Und wie viel von dem, was einmal in der frisch geernteten Frucht steckte, ist nach Monaten der Lagerung noch vorhanden?
