20. Oktober 2026

Projekt Forum NEWS

www.projekt-forum.org

Die Frühstartrente ist der nächste Etikettenschwindel

 

Von Peter Haisenko 

Der aktuelle Schuldenstand der BRD beträgt heruntergebrochen auf den Einzelnen 34.000 Euro. Das heißt, jedes Neugeborene erblickt die Welt mit 34.000 Euro Schulden im Gitterbett. Betrachtet man dazu die Modellrechnungen für die Frühstartrente wird sichtbar, dass das überhaupt nichts bringt für den zukünftigen Wohlstand der Säuglinge.

Um aufzuzeigen wie es in einem Staat mit einem „Diktator“ zuging, verweise ich auf Gaddafis Libyen. Dieser Staat hatte keine Schulden und so kam jedes Neugeborene nicht nur schuldenfrei zur Welt, sondern erhielt sogar etwa 50.000 € geschenkt, respektive seine Familie. Ja, so war das, bevor Gaddafi von Obama, Cameron und Sarkosy ermordet worden ist und Libyen im Chaos versunken ist. Ein derart positives Beispiel durfte nicht existieren. Ebenso wenig wie Jugoslawien, das einen ziemlich erfolgreichen dritten Weg zwischen Kommunismus und Kapitalismus praktiziert hatte.

Wenn Sie eine vollkommen unkritische Darstellung der Frühstartrente einsehen wollen, empfehle ich das Systemmedium ntv:
https://www.n-tv.de/ratgeber/Das-muss-man-jetzt-zur-Fruehstartrente-wissen-id31413127.html
Ich werde Auszugsweise daraus zitieren und das beginnt so:

„Auch Kinder können ab dem kommenden Jahr gefördert fürs Alter sparen. Durch die sogenannte Frühstartrente soll der Nachwuchs ab sechs Jahren regelmäßig 10 Euro vom Staat für die Altersvorsorge erhalten. Vor allem durch eigene Zuzahlungen lässt sich so ein sechsstelliges Vermögen aufbauen.
Mit der Einführung der sogenannten Frühstartrente will die Bundesregierung das private Sparen am Kapitalmarkt bereits im Kindesalter verankern. Das Konzept sieht vor, dass der Staat über ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot einen monatlichen Zuschuss von 10 Euro zahlt.“
Wie lange, bis zu welchem Alter diese zehn Euro fließen sollen, ist dem ntv-Artikel nicht eindeutig zu entnehmen.

Nullzinsen und Rendite

Das sind dann pro Jahr 120 €. Erst nach Ablauf von 60 Jahren wird die angelegte Summe plus Zinsen für das Individuum verfügbar. Die Einzahlungen beginnen mit dem 6. Lebensjahr und das bedeutet, dass auch hier bereits ein Renteneintrittsalter von 66 Jahren festgelegt ist. Nach diesen 60 Jahren hat der Staat, also der Steuerzahler selbst, insgesamt 7.200 € in diesen Fond eingezahlt. Die sollen bis dahin durch Zinserträge auf eine Summe von 107.000 € anwachsen. Wie soll das gehen? Ganz einfach und ich zitiere wieder: „Die Berechnungen basieren implizit auf einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von rund 7 Prozent.“ Ich empfinde es gewagt, eine solche Rendite über 60 Jahre als Berechnungsgrundlage anzunehmen. Erinnern Sie sich noch an die lange Nullzinsphase, die alles durcheinander gebracht und die Immobilienpreise in astronomische Höhen katapultiert hat?

Tatsächlich zeigt ntv eine Tabelle, die mit 3, 4 und 6 Prozent Zinsertrag rechnet. Da werden dann nach 60 Jahren für 3 % eine Summe von 19.943,22 € genannt, 29.282,84 für 4 % und 66.384,47 € für 6 %. Liest man aufmerksam, kommen diese 107.000 € und die kleineren Summen nur zustande, wenn die Eltern oder später der Berechtigte selbst jeweils zehn Euro pro Monat drauflegen und der durchschnittliche Zins tatsächlich bei 7 % bleibt. Kann das anders als Etikettenschwindel genannt werden? Die ntv-Tabelle rechnet ehrlicherweise mit nur 10 € pro Monat und selbst bei einem Zinsertrag von 6 % erreicht der Frühstartrentner erst nach 50 Jahren das Niveau seiner Geburtsschuld von 34.000 €. Für diese sind aber über die gesamten 50 Jahre Zinsen fällig. Bei realistischen Zinserträgen von 3 % bleibt man bei 19.943,22 € hängen, nach 60 Jahren.

Und die Inflation?

Wieviel werden die 19.943,22 € 60 Jahre später noch wert sein? Welche Kaufkraft werden die haben? Wie hoch wird die Geburtsschuld nach 60 Jahren sein? Die wird massiv ansteigen, bei dem Schuldenwahnsinn, den die Regierung Merz mit „Sondervermögen“ und kreditfinanzierter Ukrainehilfe auftürmt. Selbst bei den angenommenen 7 % Zinsertrag und einem Ergebnis von 107.000 € bleibt das Ergebnis negativ. Was soll dieser Unsinn, muss da gefragt werden. ntv gibt eine Antwort: „So sollen Anreize entstehen, die private Vorsorge im Erwachsenenalter mit eigenen Beiträgen fortzuführen.“ Aha, darum geht es und im nächsten Absatz geht es weiter: „Ab dem kommenden Jahr wird es auch eine neue staatliche Förderung für Erwachsene geben. Ab 2027 startet das Altersvorsorgedepot, welches die Riester-Rente für Neuverträge ablöst.“ Es geht also darum, das 130 Jahre alte Erfolgsmodell „Deutsche Rente“ in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge umzubauen. Lesen Sie für weitere Informationen dazu auch:
https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20262/klammheimlich-wird-die-kapitalisierung-der-rente-vorangetrieben/

Die Unterüberschrift lautet bei ntv: Mit 300.000 € in den Ruhestand? ntv erklärt diese reißerische Ansage, wie das zustande kommen soll: „Schießen die Eltern pro Monat 50 Euro zu, können die Kinder mit 65 mit einem 320.000-Euro-Depot rechnen.“ Diese Summe ist aber nur erreichbar, wenn die Eltern 60 Jahre lang diese 50 € zuschießen. Oder eben dann die erwachsenen Kinder selbst. Mit den 10 € vom Staat bleibt man bei 10 % dieser Summe hängen. Wenn überhaupt, denn es gibt für dieses Wundermodell keine Zinsgarantien. Tatsächlich wurden bei dieser Rechnung über die 60 Jahre 43.200 € eingezahlt. 10 Euro vom Staat plus 50 von den „Eltern“ mal 12 Monate mal 60. Das hat aber mit der Grundidee der Frühstartrente nichts mehr zu tun. Es ist dann eine fast reine Privatanlage, auf die jedoch der Staat seine Finger hält. Nicht vergessen: Auf dieses eingezahlte Geld hat der Einzahler 60 Jahre lang keinen Zugriff. So, wie auch die Rentenbeiträge bis zum Renteneintritt für den Einzahler nicht zugänglich sind.

ntv stellt das positiv überhöht dar

Die Beispielswahl von ntv führt in die Irre. Ich nehme an vorsätzlich. Dem Leser werden die Jahre präsentiert, aber nicht das Lebensalter. Sieht man kurz über die Tabelle, kommt man schnell fälschlicherweise zu dem Eindruck, dass ein Zwanzigjähriger bereits etwa 3.000 € bis 4.500 € auf seinem „Rentenkonto“ angesammelt hat. Tatsächlich sind es aber etwa 1.000 € weniger. Im Text kann man lesen: „Zahlen Eltern beispielsweise monatlich 10 Euro zu, steigt der Depotwert bis zum 18. Lebens­jahr nach den Berechnungen auf rund 4400 Euro.“ Die reale Zahl mit nur einfachen 10 €/Monat sind nur 1.774,97 (3 %) bis 2.110,39 € (6 %) für das 18. Lebensjahr. Bei all dieser Propaganda will aber auch ntv nicht der Lüge bezichtigt werden können und so gibt es einen entscheidenden Nebensatz: „Beachtet werden sollte aber, dass solche Berechnungen mit Unsicherheiten behaftet sind, denn die Kapitalmärkte können stark schwanken und die im Beispiel prognostizierte Rendite ist nicht garantiert.“ Da muss ich diesmal drastisch sagen: Was soll der ganze Scheiß?!

Geht es vielleicht um etwas ganz anderes?

Die eher lächerlichen 10 €/Monat bringen es nicht, aber freiwillige Zuzahlungen ergeben viel mehr. Der Staat erhält so die Kontrolle über Geld der Steuerzahler, die über 60 Jahre festgeschrieben ist. Wurde es einmal an die Frühstartrente abgegeben, gehört es einem nicht mehr und wie sieht es aus, wenn der „Versicherte“ frühzeitig stirbt? Wird die angesammelte Summe dann vererbt? Auch darüber, wie es „angelegt“ wird, gibt es keinerlei Kontrolle für den Einzahler. Ja, den „Einzahler“ und damit bin ich ich bei dem entscheidenden Unterschied zum Deutschen Rentenmodell. Niemand zahlt in die Rente ein. Das ist eine irreführende Terminologie. Mit seinen Beiträgen zur Rentenkasse erwirbt man sich ein Recht auf einen prozentualen Anteil an zukünftiger Arbeitsleistung, wenn man selbst nicht mehr arbeiten muss oder kann.

Die echte Rente hat einen automatischen Inflationsausgleich

Dieses Anrecht bleibt bestehen, ganz gleich, wie die Währung dann heißen mag oder wieviel sie wert ist. Das haben die letzten 130 Jahre bewiesen und das ist eben das geniale Grundprinzip der deutschen Rente. Es ist unabhängig von irgendwelchen Kapitalmärkten, die jederzeit zusammenbrechen können und dann ist alles futsch, was eingezahlt worden ist. Eben auch das Geld für die Frühstartrente. Mit den Erfahrungen der letzten 60 Jahre, oder besser der letzten 130 Jahre, wer könnte sicher behaupten, dass das Geld-System, auf dem die Frühstartrente beruht, in 60 Jahren überhaupt noch existiert? Das eingezahlte Geld überhaupt noch etwas wert sein wird? Wie hoch wird die Inflation während der kommenden 60 Jahre sein? Rechnen Sie selbst, bei einer angestrebten Inflationsrate von nur zwei Prozent über die gesamten 60 Jahre. 

Bedenken Sie, während der 1950er Jahre konnte man in dem Münchner Vorort Gräfelfing ein Einfamilienhaus mit 1.000 qm Grund für 20.000 Mark kaufen. Geld verliert mit der Inflation kontinuierlich an Kaufkraft, die Rente wird mit den Einkommen andauernd angepasst an die Geldentwertung. Das kann kein kapitalbasiertes System und die Frühstartrente eben auch nicht. Und, liebe Friedensfreunde, auch Sie haben keinen Einfluss, ob Ihre Frühstartrenteneinzahlungen in die Waffenproduktion gehen. Da gibt es schließlich die besten Renditen. Oder ob Ihre Einzahlungen gleich nach Kiew weiter gereicht werden. Wo Ihr Geld für die Frühstartrente angelegt wird, das entzieht sich der Kontrolle der Einzahler. Ob dieses Modell etwas zu tun hat mit der Vergangenheit des Kanzlers bei Black-Rock? Möglich wär´s, aber so oder so, es ist gewiss nicht zum Vorteil der zukünftigen Rentner. 

–———

Wir brauchen ein Finanzmodell, dessen Ziel der Wohlstand der Bevölkerung ist und nicht derjenigen, die schon jetzt nicht wissen, wohin mit ihrem vielen Geld. Ein Modell, das ohne Inflation auskommt, ja Inflation unmöglich macht. Nur ohne Inflation ist eine zuverlässige private Altersvorsorge möglich. Sehen Sie sich „Die Humane Marktwirtschaft“ an und entscheiden Sie selbst, ob dieses Modell Ihren eigenen Vorstellungen für eine gute Zukunft gerecht werden kann. Bestellen Sie Ihr Exemplar „Die Humane Marktwirtschaft“ direkt beim Verlag hier oder erwerben Sie es in Ihrem Buchhandel.

 

https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20262/die-fruehstartrente-ist-der-naechste-etikettenschwindel/