9. September 2026

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Sie geben es zu: Die Ukraine verliert den Krieg – und Europas Strategie ist gescheitert

 

Jahrelang lautete die Botschaft aus westlichen Hauptstädten, Russland werde durch Sanktionen geschwächt, die Ukraine durch Waffenlieferungen gestärkt und ein militärischer Sieg Kiews sei nur eine Frage der Zeit. Nun zieht ausgerechnet der britische Spectator eine vernichtende Bilanz. „Ukraine is losing the war“ – die Ukraine verliert den Krieg –, schreibt Owen Matthews, stellvertretender Chefredakteur des Magazins und Autor eines Buches über Putins Krieg. Seine Analyse ist keine russische Erfolgsmeldung, sondern eine Abrechnung mit der westlichen Politik.

Die Versprechen des Westens treffen auf die Realität

Matthews sieht nach den jüngsten Gesprächen von Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kiew drei ernüchternde Erkenntnisse: Putin hat seine Kriegsziele nicht aufgegeben, Trump verfügt über keinen neuen Friedensplan jenseits einer Einigung zu russischen Bedingungen, und Kiew gehen Geld, Soldaten und Luftabwehrmunition aus. Die diplomatische Initiative brachte keinen Durchbruch. Während Washington über wirtschaftliche Vorteile eines Kriegsendes spricht, bezeichnet Selenskyj den Kampf um den Donbass als Überlebenskrieg.

Besonders schwer wiegt die militärische Entwicklung. Russland setzt nach Matthews’ Darstellung zunehmend schnellere und präzisere Angriffsdrohnen ein, entwickelt kostengünstige Marschflugkörpersysteme und steigert die Produktion ballistischer Raketen. Der ukrainische Verteidigungstechnologieberater Serhii Beskrestnov warnt, dass Angriffe inzwischen stärker geworden seien als die Verteidigung. Für den kommenden Winter werde die Ukraine voraussichtlich nicht genügend Raketen erhalten, um ihre Städte vollständig zu schützen.

Sanktionen, Waffen, Diplomatie: Die dreifache Fehlleistung

Der eigentliche Sprengstoff des Artikels liegt jedoch in Matthews’ Kritik an Europa. Er spricht von einem dreifachen Versagen: Sanktionen seien groß angekündigt worden, während weiterhin russische Energie gekauft wurde. Wichtige Waffensysteme seien aus Angst vor Eskalation oder wegen eigener Verteidigungsinteressen zurückgehalten worden. Und vor allem habe Europa sich geweigert, ernsthaft über Verhandlungen mit Moskau nachzudenken, während es die Ukraine immer weiter zum Kämpfen ermutigte.

Damit stellt Matthews die zentrale westliche Kriegsstrategie infrage. Die wiederholten Versprechen, Kiew „so lange wie nötig“ und mit „allem, was nötig ist“ zu unterstützen, bezeichnet er als grundlegend irreführend. Der Westen habe Erwartungen geweckt, die er selbst nicht erfüllen konnte. Gleichzeitig habe er Russland nicht wirtschaftlich in die Knie gezwungen und keine diplomatische Alternative entwickelt.

Das ist der entscheidende Widerspruch: Europa versprach der Ukraine einen langen Krieg bis zum Erfolg, ohne die Mittel für diesen Erfolg bereitzustellen – und ohne einen überzeugenden Plan für den Fall, dass die Strategie scheitert.

Kiew droht die Rechnung präsentiert zu bekommen

Matthews erwartet, dass die militärische Erschöpfung bald von einer finanziellen Krise verschärft wird. Er verweist auf ein drohendes Haushaltsloch von 26 Milliarden Euro, obwohl die EU bereits ein Darlehen über 90 Milliarden Euro bereitgestellt habe. Hinzu kommen Personalmangel, knappe Luftabwehrmunition und ein schwieriger Winter. Die im Artikel genannten Haushaltszahlen sind Angaben des Autors; ihre genaue Höhe müsste anhand aktueller ukrainischer Haushaltsunterlagen überprüft werden.

Auch innenpolitisch beschreibt er eine Regierung unter wachsendem Druck. Korruptionsskandale, Ermittlungen gegen hochrangige Funktionäre, Konflikte zwischen Sicherheitsdiensten und sinkendes Vertrauen in Selenskyj verschärften die Lage. Matthews verweist auf eine Recherche der New York Times, wonach 2024 rund 1,2 Milliarden Dollar durch überhöhte Preise und korrupte Militärverträge verloren gegangen seien.

Die unbequeme Frage: Wofür wird weitergekämpft?

Der Spectator stellt damit eine Frage, die in der europäischen Politik lange als unerwünscht galt: Was ist das realistische Ziel der Fortsetzung dieses Krieges, wenn weder ein militärischer Sieg noch ein wirtschaftlicher Zusammenbruch Russlands absehbar sind?

Matthews argumentiert, dass jede neue Friedensofferte für Kiew schlechter ausgefallen sei als die vorherige. Er sieht die Gefahr, dass Russland seine militärische Position weiter verbessert und die Ukraine schließlich unter noch ungünstigeren Bedingungen verhandeln muss. Europa rede weiterhin von Unterstützung, verfüge aber über keinen konkreten Plan, wie es die Ukraine retten, die russische Wirtschaft entscheidend schwächen oder Putins Kriegswillen brechen könne.

Das bedeutet nicht, dass ein vollständiger ukrainischer Zusammenbruch unmittelbar bevorsteht oder Russland sämtliche Kriegsziele erreichen wird. Auch Moskau trägt enorme Kosten, und der weitere Verlauf bleibt offen. Doch Matthews’ Analyse macht deutlich, dass die bisherige westliche Strategie ihre eigenen Versprechen nicht eingelöst hat.

Die politische Bilanz ist verheerend: Milliarden wurden ausgegeben, Hunderttausende Menschen getötet oder verwundet, ganze Landstriche zerstört – und nun räumt ein etabliertes britisches Magazin ein, dass die Ukraine den Krieg verliert. Die Frage ist nicht mehr nur, wie lange Kiew noch durchhalten kann. Sie lautet auch, wie lange Europas Regierungen an einer Strategie festhalten wollen, deren Scheitern sie zunehmend selbst beschreiben.

 

Sie geben es zu: Die Ukraine verliert den Krieg – und Europas Strategie ist gescheitert