20. Oktober 2026

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Die Drehtür der Macht: Wie Goldman Sachs, BlackRock & Co. bis in die Spitzen der Weltpolitik reichen

 

Goldman Sachs, BlackRock, Rothschild, Morgan Stanley, Deutsche Bank oder JPMorgan: Die Namen der größten Finanzkonzerne der Welt tauchen erstaunlich häufig in den Lebensläufen von Präsidenten, Regierungschefs, Finanzministern und Zentralbankern auf.

Dabei funktioniert die Drehtür in beide Richtungen. Banker wechseln in Regierungen – und ehemalige Spitzenpolitiker anschließend zu Banken und Vermögensverwaltern. Das allein beweist keine politische Steuerung durch die Finanzindustrie. Die personellen Verflechtungen zeigen jedoch, wie eng beide Welten miteinander verbunden sind.

Von der Bank in die Regierung – und zurück

Politiker Politische Spitzenfunktion Finanzbranche
Emmanuel Macron Präsident Frankreichs Investmentbanker bei Rothschild & Cie
Friedrich Merz deutscher Bundeskanzler 2016–2020 Aufsichtsratsvorsitzender BlackRock Deutschland
Rishi Sunak britischer Premier 2022–2024 Goldman Sachs, Hedgefonds; seit 2025 wieder Goldman-Sachs-Berater
Mark Carney kanadischer Premier 13 Jahre Goldman Sachs, später PIMCO
Mario Draghi italienischer Premier, zuvor EZB-Präsident Vice Chairman/Managing Director Goldman Sachs International
José Manuel Barroso EU-Kommissionspräsident, zuvor portugiesischer Premier anschließend Chairman Goldman Sachs International
Jörg Kukies deutscher Finanzminister 2024–2025 rund 17 Jahre Goldman Sachs, 2026 Wechsel zu Morgan Stanley
Peer Steinbrück deutscher Finanzminister 2005–2009 anschließend Berater bei ING
Sigmar Gabriel Vizekanzler, Wirtschafts- und Außenminister anschließend Aufsichtsrat Deutsche Bank
Alice Weidel AfD-Chefin und Fraktionsvorsitzende früher Goldman Sachs Asset Management
Steven Mnuchin US-Finanzminister 2017–2021 rund 17 Jahre Goldman Sachs
Gary Cohn oberster Wirtschaftsberater Donald Trumps zuvor Präsident/COO Goldman Sachs
Scott Bessent US-Finanzminister Soros Fund Management, Key Square Capital
Janet Yellen US-Finanzministerin, zuvor Fed-Chefin anschließend PIMCO Global Advisory Board
George Osborne britischer Finanzminister anschließend Senior Advisor bei BlackRock
Alistair Darling britischer Finanzminister anschließend Verwaltungsrat Morgan Stanley
William Hague britischer Außenminister anschließend Berater bei Citigroup
Gordon Brown britischer Premier und Finanzminister später Vorsitzender PIMCO Global Advisory Board
Tony Blair britischer Premier anschließend Senior Advisor bei JPMorgan Chase
Mario Monti italienischer Premier und EU-Kommissar Berater von Goldman Sachs
Domenico Siniscalco italienischer Finanzminister anschließend Vice Chairman Morgan Stanley International
Luis de Guindos spanischer Wirtschaftsminister, EZB-Vizepräsident zuvor leitend bei Lehman Brothers
Milojko Spajić Premier Montenegros zuvor Citibank und Goldman Sachs
Henry Paulson US-Finanzminister zuvor Chairman und CEO Goldman Sachs
Robert Rubin US-Finanzminister zuvor Co-Chairman Goldman Sachs, später Citigroup
Philipp Hildebrand ehemaliger Präsident der Schweizerischen Nationalbank anschließend Vice Chairman BlackRock

Goldman Sachs sticht heraus

Besonders auffällig ist Goldman Sachs. Sunak, Carney, Draghi, Barroso, Kukies, Weidel, Mnuchin, Cohn, Monti, Paulson, Rubin und Spajić hatten unterschiedliche Verbindungen zur Investmentbank.

Und es geht nicht nur um Lebensläufe. Während Sunaks Regierungszeit wurden mit den „Edinburgh Reforms“ zahlreiche Regeln für den britischen Finanzsektor gelockert. Die britische Ethikkommission stellte bei seinem späteren Wechsel zu Goldman Sachs ausdrücklich fest, dass Goldman zu den Unternehmen gehörte, die von diesen Reformen profitieren konnten. Sie stellte allerdings auch klar, dass es keinen Hinweis darauf gebe, Sunak habe die Reformen wegen seiner späteren Tätigkeit beschlossen.

Ähnlich bemerkenswert ist Barroso: Als EU-Kommissionspräsident war er während Finanz-, Banken- und Eurokrise an zentraler Stelle tätig. Danach wechselte er zu Goldman Sachs. Der Ethikausschuss der EU stellte selbst fest, dass sein in Brüssel erworbenes Wissen für die Investmentbank wertvoll sein könne.

BlackRock und die Politik

Auch BlackRock ist eng mit ehemaligen politischen Entscheidungsträgern verbunden. Friedrich Merz leitete BlackRock Deutschland, bevor er an die Spitze der deutschen Regierung gelangte. George Osborne wechselte vom britischen Finanzministerium zu BlackRock, der ehemalige SNB-Präsident Philipp Hildebrand wurde Vice Chairman des Konzerns.

Wie sensibel solche Beziehungen sind, zeigte die EU selbst: Die Europäische Bürgerbeauftragte kritisierte die Vergabe eines EU-Auftrags an BlackRock zur Untersuchung von ESG-Regeln für Banken wegen möglicher Interessenkonflikte. BlackRock hatte selbst wirtschaftliche Interessen in dem betroffenen Bereich.

Die Drehtür ist das eigentliche Problem

Keiner dieser Lebensläufe beweist für sich allein, dass eine Bank einem Politiker Anweisungen erteilt. Doch die Häufung ist bemerkenswert.

Bankmanager werden Finanzminister, Regierungsberater, Zentralbankchefs und Regierungschefs. Politiker wechseln anschließend zu denselben Banken und Vermögensverwaltern, deren Branche sie zuvor regulierten. Mit ihnen wechseln Kenntnisse über Regierungen, Regulierung, Finanzmärkte und internationale Verhandlungen sowie über Jahre aufgebaute Netzwerke.

Wie unabhängig können politische Entscheidungen von der Finanzindustrie bleiben, wenn Spitzenpolitik und Finanzkonzerne immer wieder auf dasselbe Personal, dieselben Netzwerke und dieselbe Expertise zurückgreifen?