Wer mit dem Mietwagen über Teneriffa fährt, durchquert drei gewaltige Senken: das Orotavatal im Norden, das Tal von Icod im Nordwesten und das Tal von Güímar im Osten. Auf jeder Karte stehen sie als Täler, die Straßenschilder heißen danach. Nur haben sie nichts von dem, woran man ein Tal erkennt. Sie sind oben genauso breit wie unten, ihr Grundriss ist annähernd rechteckig, am oberen Ende steht eine Wand quer über der Achse, und die Bäche darin sind für diese Dimension lächerlich. Vor allem aber hören sie an der Küste nicht auf: Sie setzen sich als Rinnen im Meeresboden fort, über Dutzende Kilometer.
Diese Folge erzählt den Lebenslauf einer Insel, die einmal aus mehreren getrennten Vulkanbauten bestand, zusammenwuchs und danach dreimal an ihren eigenen Flanken nachgab – vor rund 830.000, 540.000 und 170.000 Jahren. Es geht um das Riftsystem, das die Insel von innen auseinanderdrückt, um den seit Jahrzehnten ungelösten Streit über die Entstehung der Caldera de las Cañadas, um Meeresgeröll in 132 Metern Höhe über dem Wasser, um Schichten auf einer Tiefsee-Ebene hunderte Kilometer vor Madeira, aus denen sich das alles datieren lässt – und darum, warum ausgerechnet in der größten dieser Wunden der höchste Berg Spaniens steht.
Tiefer Grund nimmt einen Ort, den jeder zu kennen glaubt, und sieht nach, was wirklich darunter liegt: Gestein, Wasser, Zeit und die Kräfte, die eine Landschaft in Bewegung halten, auch wenn sie auf dem Foto still aussieht. Keine Mythen und keine Spekulation, sondern das, was gemessen, datiert und aufgeschrieben wurde, in einfacher Sprache erzählt. Wenn dich das interessiert, abonnier den Kanal und schreib in die Kommentare, welchen Ort wir als Nächstes aufmachen sollen.
