16. September 2026

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Jetzt trifft der Ölkrieg Europa: Saudi-Arabien stoppt Lieferungen

 

Der Ölkrieg im Nahen Osten erreicht Europa. Saudi-Arabien hat nach dem Ausfall seiner strategischen Ost-West-Pipeline bereits geplante Rohölladungen für europäische Kunden gestrichen, die Verladung im Rotmeerhafen Yanbu wurde ausgesetzt. Europas Raffinerien jagen nun Ersatz hinterher – und müssen dafür teilweise Preise von mehr als 130 Dollar je Barrel bezahlen. Gleichzeitig schickt Großbritannien Militärberater nach Saudi-Arabien und prüft weitere Unterstützung gegen die Huthis.

Über den Angriff auf die saudische Ost-West-Pipeline hatte Report24 kürzlich erst berichtet. Nun kommt die Rechnung. Nach Angaben von Reuters teilte Saudi Aramco europäischen Kunden mit, dass einzelne für Ende September vorgesehene Ölladungen ausfallen. In Yanbu am Roten Meer wurden Verladungen gestoppt. Besonders hart trifft das Polen: Rund 40 Prozent des von Orlen verarbeiteten Rohöls stammen von Saudi Aramco. Der Konzern sucht bereits in der Nordsee, den USA, Kasachstan, Algerien und Guyana nach Ersatz. Die Raffinerien laufen bislang weiter, doch der Beschaffungsdruck ist da.

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Die Ironie an der Sache könnte kaum größer sein: Die rund 1.200 Kilometer lange East-West-Pipeline wurde in der aktuellen Krise zur wichtigen Ausweichroute für saudisches Öl. Sie transportiert Millionen Barrel täglich quer durch das Königreich nach Yanbu und umgeht damit die Straße von Hormus, wo der Krieg mit dem Iran den Schiffsverkehr massiv beeinträchtigt. Dann trafen Drohnen aus dem Irak ausgerechnet diese Lebensader. Saudi-Arabien macht dafür eine mit dem Iran verbundene Gruppe verantwortlich. Der Angriff selbst kam also nicht von der Ansar Allah-Miliz (auch als Huthis bekannt) – doch deren Offensive im Jemen verschärft die Lage am anderen Ende der saudischen Ausweichroute zusätzlich.

Wie lange die Pipeline ausfällt, ist noch offen. Branchenkreise hatten zunächst sogar Reparaturzeiten von fünf bis sechs Wochen für möglich gehalten. US-Energieminister Chris Wright erklärte am Dienstag dagegen, die Anlage könne bereits innerhalb weniger Tage wieder in Betrieb gehen. Eine gesicherte Entwarnung ist das noch nicht. Die ersten Ölladungen nach Europa sind bereits gestrichen, und bis der normale Exportbetrieb tatsächlich wieder läuft, bleibt der Markt angespannt.

Schon jetzt gibt es Preissprünge

An Europas Ölmärkten genügte das bereits für den nächsten Preissprung. Kurzfristig verfügbare physische Ölladungen kosteten am Dienstag mehr als 130 Dollar je Barrel. Nordseeöl der Sorte Forties wurde zeitweise für 136,75 Dollar gehandelt. Das ist der Preis für Öl, das Raffinerien tatsächlich kurzfristig brauchen – und eben nicht nur ein Börsenkontrakt für eine spätere Lieferung. Während Brent-Futures noch um die 110-Dollar-Marke lagen, mussten Käufer für sofort verfügbares Rohöl deutlich mehr hinlegen. Wer ausgefallene saudische Ladungen ersetzen muss, trifft auf einen Markt, auf dem plötzlich viele Käufer um dieselben verfügbaren Mengen kämpfen.

Die Lage ist kritisch. Saudi-Arabiens Pipeline nach Westen ist schwer beschädigt, der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus bleibt weit unter dem früheren Niveau und nun setzen die Huthis auch am Roten Meer Saudi-Arabien immer stärker unter Druck. Nach Angaben der britischen Regierung versuchen sie, ihre Kontrolle entlang der jemenitischen Rotmeerküste und rund um den Bab al-Mandab auszubauen. Durch diese nur wenige Dutzend Kilometer breite Meerenge führt der Weg vom Roten Meer in den Indischen Ozean. Wer dort den Schiffsverkehr bedrohen kann, sitzt an einer weiteren Schlagader des Welthandels.

Die Briten wollen eingreifen

London reagiert inzwischen nicht mehr nur mit Erklärungen. Nach Informationen der „Times“ wurde ein kleines Team britischer Militärberater nach Saudi-Arabien geschickt. Es soll ausloten, wie Großbritannien dem Königreich helfen könnte. Im Gespräch sind unter anderem Unterstützung bei der Zielaufklärung und zusätzliche defensive Waffen. Rund 100 britische Soldaten befinden sich dem Bericht zufolge ohnehin bereits in Saudi-Arabien; zudem wurde das britische Flugabwehrsystem Sky Sabre in das saudische Luftverteidigungsnetz eingebunden.

Damit bekommt die Ölkrise eine weitere militärische Dimension. Saudi-Arabien muss gleichzeitig seine Ölinfrastruktur schützen, Angriffe aus mehreren Richtungen abwehren und seine Exporte durch zwei zunehmend unsichere Routen bringen. Die britische Regierung verurteilte die Huthi-Angriffe am 15. September vor dem UN-Sicherheitsrat ausdrücklich und erklärte, die Miliz gefährde neben Saudi-Arabien auch die internationale Schifffahrt. London wirft dem Iran vor, die Huthis weiterhin militärisch zu unterstützen.

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Für Europa wird aus dem Krieg damit sukzessive zu einem existentiellen Problem. Polen sucht Ersatz für saudisches Öl, die anhaltend hohe Nachfrage auf den Märkten treibt die Preise für verfügbare Ladungen nach oben und eine wichtige Umgehungsroute für die Straße von Hormus ist zumindest vorübergehend ausgefallen. Gleichzeitig rückt mit Großbritannien der nächste westliche Staat militärisch näher an den Konflikt heran. Noch fließt Öl nach Europa. Noch laufen die Raffinerien. Doch die ersten saudischen Lieferungen sind bereits gestrichen, Ersatzöl kostet plötzlich mehr als 130 Dollar je Barrel – und zwischen der Straße von Hormus und Bab al-Mandab hängt ein wachsender Teil der Weltenergieversorgung an immer verwundbareren Routen. Der Ölkrieg ist in Europa angekommen.

 

Jetzt trifft der Ölkrieg Europa: Saudi-Arabien stoppt Lieferungen