Deutschland zahlt Milliarden für Ökostrom – und Hunderte Millionen, wenn die Anlagen ihren Strom gar nicht ins Netz liefern dürfen. Gleichzeitig gehören die Strompreise für Haushalte und Unternehmen zu den höchsten Europas. Die Politik subventioniert ihre Lieblingstechnologien, verteuert konkurrierende Energieträger durch CO2-Abgaben und verteilt die Folgekosten großzügig auf die Allgemeinheit. Mit diesem staatlichen Energie-Förderzirkus muss endlich Schluss sein!
Ein Kommentar von Heinz Steiner
Stellen Sie sich einen Bäcker vor, der seine Semmeln nur dann produziert, wenn das Wetter mitspielt. Mittags quellen die Regale über, abends steht die Kundschaft vor leeren Regalen. Für die nicht verkauften Semmeln verlangt er eine Entschädigung, zusätzliche Lagerkapazitäten sollen andere finanzieren. Und wenn die Konkurrenz zuverlässiger liefert, verteuert der Staat deren Produkte mit Sonderabgaben. Was für ein hirnrissiges Geschäftsmodell! In der Energiewirtschaft haben sich vergleichbare Mechanismen längst etabliert – mit dem Segen der Politik und auf Kosten der Bürger und der Unternehmen.
Deutschland hat sich bei den Strompreisen mittlerweile einen traurigen Spitzenplatz erarbeitet. Laut Eurostat bezahlten die Haushalte im zweiten Halbjahr 2025 durchschnittlich 38,69 Cent je Kilowattstunde. Nur Irland war innerhalb der EU noch teurer. Bei Unternehmen mit einem Jahresverbrauch zwischen 500 und 2.000 Megawattstunden lag Deutschland mit 22,64 Cent auf Platz drei. In Finnland kostete die Kilowattstunde in dieser Verbrauchsklasse gerade einmal 7,48 Cent. Deutsche Betriebe zahlten also etwa dreimal so viel wie ihre finnischen Konkurrenten. Hervorragende Voraussetzungen für den Industriestandort Deutschland, nicht wahr?
Deutschland lässt die Steuerzahler bluten
Während die Unternehmen mit diesen extrem hohen Strompreisen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit abschmieren sehen, verteilt der Staat weiter Fördermilliarden. Allein 2025 kostete die Finanzierung der EEG-Förderung den Bundeshaushalt rund 16,5 Milliarden Euro. Die frühere EEG-Umlage auf der Stromrechnung wurde zwar abgeschafft, die Zahlungsverpflichtungen verschwanden allerdings nicht. Seit Anfang 2025 kommen die Mittel aus dem regulären Bundeshaushalt. Der Bürger und die Unternehmen bezahlen den Subventionsapparat also weiterhin, nun eben über die allgemeinen Steuern. Eine wunderbare Entlastungspolitik!
Besonders schön zeigt sich der Irrsinn dort, wo die geförderten Anlagen mehr Strom liefern wollen, als die Netze aufnehmen können. Im Jahr 2025 mussten die deutschen Netzbetreiber rund 9,38 Terawattstunden an Stromerzeugung durch Wind- und Solarkraftwerke abregeln. Bei Solaranlagen stieg die betroffene Menge gegenüber dem Vorjahr um satte 94 Prozent auf 2,7 Terawattstunden. Die Politik treibt den Ausbau mit Milliarden voran, während Leitungen und Transformatoren vielerorts nicht mithalten. Mehr Solarmodule machen einer ohnehin schon überlasteten Stromleitung noch mehr zu schaffen.
Und jetzt kommt der eigentliche Hammer: Betreiber abgeregelter Ökostromanlagen erhielten 2025 laut Bundesregierung rund 435 Millionen Euro als finanziellen Ausgleich. Die gesetzlichen Regeln sehen vor, dass betroffene Anlagenbetreiber wirtschaftlich weitgehend so gestellt werden, als hätten die Eingriffe nicht stattgefunden. Hinzu kamen weitere zusätzliche Kosten, etwa für das Hochfahren anderer Kraftwerke und die Bereithaltung von Reserven. Insgesamt verschlang das Netzengpassmanagement rund 3,08 Milliarden Euro. Die Kosten verteilen sich auf mehrere Ursachen und Technologien, doch die Rechnung landet am Ende weitestgehend bei den Stromkunden.
Keine Kostenwahrheit im Energiesektor
Ein normaler Unternehmer muss sich vor seiner Investition überlegen, ob er seine Produkte überhaupt verkaufen und zum Kunden bringen kann. In der Energiewirtschaft schützt der Staat die Betreiber teilweise vor den wirtschaftlichen Folgen fehlender Netzkapazitäten und Marktpreisschwankungen. Natürlich können Anlagenbetreiber nichts für jede überlastete Leitung. Auch Netzbetreiber haben Verantwortung. Aber weshalb sollten Investoren die Folgen ihrer Standortentscheidungen nicht stärker in der eigenen Kalkulation spüren? Weshalb müssen die Verbraucher das finanzielle Risiko mittragen, wenn Erzeugung und Transportkapazitäten nicht zusammenpassen?
Es braucht endlich echte Kostenwahrheit. Verursacht die Einspeisung eines Windparks zusätzliche Netzengpässe, müssen diese Kosten angemessen auf seine Rechnung. Für Solarparks gilt dasselbe. Und wenn ein Kohle- oder Gaskraftwerk entsprechende Belastungen verursacht, bezahlt auch dessen Betreiber. Netzbetreiber müssen ihrerseits für vermeidbare Fehlplanungen geradestehen. Wer wirtschaftliche Entscheidungen trifft, soll deren Folgen tragen. Genau dafür gibt es das Verursacherprinzip.
Selbst die Bundesnetzagentur kommt mittlerweile an der Kostenfrage nicht mehr vorbei. Ihr Reformvorschlag vom August 2026 soll die Netzentgelte ab 2029 neu regeln und stärkere Anreize für netzfreundliches Verhalten schaffen. Dabei geht es um jährlich rund 37 Milliarden Euro Netzkosten. Die Behörde räumt ein, dass die bisherige Verteilung angesichts der veränderten Stromerzeugung angepasst werden muss. Jahrzehntelang hat die Politik den Umbau des Energiesystems vorangetrieben. Jetzt beginnt sie, die gewaltigen Kosten gerechter verteilen zu wollen.
Schluss mit der Marktverzerrung!
Doch weshalb bei den Netzentgelten stehen bleiben? Weg mit sämtlichen Energiesubventionen! Keine staatlichen Preisgarantien für Wind- und Solarstrom, keine milliardenschweren Förderprogramme für Speicher, keine Dauersubventionen für irgendwelche Kraftwerke und auch keine Sonderprivilegien. Wer ein Kraftwerk errichten will, soll dafür Investoren gewinnen und anschließend mit seinem Strom Geld verdienen. Die wirtschaftlichen Risiken gehören wie in jedem wirtschaftlichen Sektor zum Geschäft. Bestehende Verträge müssen rechtssicher auslaufen, neue Förderverpflichtungen braucht niemand.
Dasselbe Prinzip muss für die Kosten gelten, die ein Kraftwerk außerhalb der unmittelbaren Stromerzeugung verursacht. Sicherheit, Entsorgung, Rückbau und zurechenbare Umweltschäden gehören in die Kalkulation. Ein Kernkraftwerksbetreiber darf seine Entsorgungsprobleme ebenso wenig dem Steuerzahler aufhalsen wie ein Kohlekraftwerksbetreiber seine Sanierungskosten. Für Windräder und Solaranlagen gelten dieselben Grundsätze. Erst wenn sämtliche Kosten berücksichtigt werden, lässt sich überhaupt beurteilen, welche Energieform wirtschaftlich überzeugt.
Gleichzeitig gehören die CO2-Steuern und der europäische Emissionshandel abgeschafft. Was soll das für ein Wettbewerb sein, bei dem der Staat einerseits Fördermilliarden an bevorzugte Technologien verteilt und andererseits deren Konkurrenten mit zusätzlichen Abgaben belastet? Die EU schafft mit politisch verknappten Emissionsrechten künstliche Kosten, die bis in die Industrieproduktion hineinwirken. Allerdings ist die staatlich organisierte CO2-Bepreisung vor allem ein Instrument, um wirtschaftliche Entscheidungen in eine politisch gewünschte Richtung zu lenken. Genau diese Bevormundung gehört beendet.
Ein freier Energiemarkt muss her
Die Folgen der europäischen Energiepolitik treffen längst die gesamte Wirtschaft. Energieintensive Industriebetriebe müssen mit Konkurrenten aus Ländern mithalten, in denen Strom, Sprit und Gas erheblich billiger sind. Auch Handwerker, Landwirte, Transportunternehmen und private Haushalte bezahlen die Zeche. Der Staat belastet die Wirtschaft mit immer neuen Kosten und versucht anschließend, die Folgen mit weiteren Eingriffen abzufedern. Man könnte auch einfach damit aufhören, ständig neue Belastungen zu schaffen.
Natürlich würde ein radikaler marktwirtschaftlicher Neustart manche Investoren hart treffen. Wer seine Rendite bisher auf staatlich garantierte Einnahmen stützen konnte, müsste künftig selbst für Absatz, Speicherung und die Absicherung von wirtschaftlichen Risiken sorgen. Dafür würden sich Investitionen stärker daran orientieren, wo Strom tatsächlich gebraucht wird und welche Erzeugungsanlagen zuverlässig zu wettbewerbsfähigen Preisen liefern können. Doch so soll ein freier Markt eigentlich auch funktionieren.
Deutschland liefert mit seinen extrem hohen Strompreisen und Fördermilliarden ein abschreckendes Beispiel. Doch diese Konsequenz muss weltweit gelten: Der Staat hat nicht zu entscheiden, welche Energieform die erste Wahl sein soll. Seine Aufgabe ist es, Eigentumsrechte, Sicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Ob Windkraft, Photovoltaik, Kernenergie, Kohle oder Erdgas wirtschaftlich die Nase vorn haben, sollen Anbieter und Kunden entscheiden.
Schluss mit den Subventionen, Schluss mit den CO2-Sonderabgaben, Schluss mit der staatlichen Vollkaskoversicherung für Energieunternehmen! Wer die Gewinne einstreicht, muss auch die Risiken tragen. Das Prinzip von „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“ führt schlussendlich nur dazu, dass die falschen Anreize gesetzt werden.
Strompreis-Irrsinn: Der Staat fördert Ökostrom, sorgt für Verteuerung und kassiert Bürger ab!
