16. Oktober 2026

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TIEFER ALS WIR DACHTEN: WAS VERBIRGT DER SCHWÄBISCHE JURA?

 

Was geschieht, wenn ein Fluss einfach verschwindet?

Südlich von Immendingen versickert die Donau im Kalkstein der Schwäbischen Alb. In trockenen Perioden kann ihr Flussbett auf einer Strecke vollständig trockenfallen. Doch das Wasser ist nicht verschwunden: Mehr als elf Kilometer entfernt tritt es am Aachtopf wieder ans Tageslicht – Deutschlands größter Karstquelle.

Besonders außergewöhnlich ist die unterirdische Reise des Wassers. Es überquert die europäische Wasserscheide und wechselt damit vom Einzugsgebiet der Donau zum Rhein. Ein Teil des Wassers, das zunächst in Richtung Schwarzes Meer unterwegs war, gelangt schließlich über die Radolfzeller Aach, den Bodensee und den Rhein zur Nordsee.

Ein historischer Färbeversuch im Jahr 1870 machte diese Verbindung sichtbar: Uranin wurde in der Donau versetzt und erschien rund sechzig Stunden später im Aachtopf. Doch damit begann erst die eigentliche Frage: Wie sieht der unterirdische Weg zwischen beiden Punkten aus?

Unter der Schwäbischen Alb verbirgt sich ein komplexes Karstsystem aus Klüften, Kanälen, Siphons und möglicherweise weit größeren Hohlräumen. Höhlentaucher haben über Jahrzehnte versucht, Teile dieses Systems zu erkunden. Strömung, Dunkelheit, Sedimente, enge Passagen und die begrenzte Reichweite der Ausrüstung setzen ihnen dabei enge Grenzen. Große Teile der unterirdischen Verbindung sind bis heute nicht direkt erforscht.

Gleichzeitig liefern Färbeversuche, Wasserchemie, Isotopenanalysen und geophysikalische Messungen Hinweise darauf, wie dieses verborgene Wassersystem funktioniert. Und weil der Aachtopf nicht nur ein geologisches Phänomen, sondern auch eine wichtige Wasserquelle ist, geht es bei seiner Erforschung um mehr als die Suche nach unbekannten Höhlen.

Wie groß ist das unterirdische System tatsächlich? Welche Wege nimmt das Wasser unter der Schwäbischen Alb? Und was könnte sich noch zwischen der Donauversinkung und dem Aachtopf verbergen?