Was liegt eigentlich unter den historischen Städten Frankens?
Unter den Pflastersteinen von Forchheim, Bamberg, Nürnberg und Kulmbach verbirgt sich eine zweite Welt aus Sandstein: Keller, Gänge, Gewölbe und Kammern, die über Jahrhunderte entstanden und teilweise bis heute nicht vollständig dokumentiert sind.
Der Ursprung dieses unterirdischen Systems liegt in der Physik. Der Sandstein bot ideale Bedingungen für den Bau von Kellern, während die konstante Temperatur in mehreren Metern Tiefe perfekte Voraussetzungen für die Lagerung und Kühlung von Bier und Lebensmitteln schuf. Aus unzähligen einzelnen Kellern entstand dabei ein Netzwerk, das niemand als Ganzes geplant hatte.
Nürnberg zeigt besonders eindrucksvoll, welche Bedeutung diese Unterwelt später bekam. Während des Zweiten Weltkriegs boten die tiefen Felsenkeller Schutz vor den Bombenangriffen und wurden zugleich zur Lagerung von Kunstwerken, Archivalien und wertvollen Gegenständen genutzt. Während große Teile der oberirdischen Altstadt zerstört wurden, überlebten viele Strukturen tief unter dem Boden.
Auch Forchheim und Bamberg besitzen weitläufige Kelleranlagen. Doch längst nicht jeder Abschnitt ist zugänglich oder vollständig kartiert. Vermauerte Bereiche, aufgegebene Räume und historische Verbindungen zwischen Grundstücken machen den Untergrund zu einem archäologischen Puzzle. Moderne Methoden wie Bodenradar könnten dabei helfen, bisher unbekannte Hohlräume aufzuspüren.
Doch warum ging das Wissen über diese unterirdische Stadt verloren? Und was passiert mit Räumen, deren Existenz nur noch durch alte Hinweise oder zufällige Funde bekannt ist?
Der fränkische Untergrund ist damit mehr als eine Ansammlung alter Bierkeller. Er ist ein verborgenes Archiv der Stadtgeschichte – geschaffen durch jahrhundertelange Alltagspraxis, später vergessen und bis heute nur teilweise verstanden.
