Von Hans-Jürgen Geese
Sollten Sie die Geschehnisse der Kriege in der Ukraine und im Mittleren Osten aufmerksam verfolgt haben, dann werden Sie vielleicht auch jetzt den Eindruck nicht mehr zurückweisen können, dass die Lage wirklich ernst wird. Der Eskalationsdruck ist kaum noch zu erhöhen. Der Tag der Entscheidung ist nah.
Auch wenn die Verhaltensweisen von Männern wie Trump oder Merz oder Selenskyj nicht den Gesetzen der Logik zu folgen scheinen, so können Sie dennoch gewiss sein, dass im Hintergrund ihre Fäden entsprechend einem vorgegebenen Drehbuch gezogen werden. Bedenken Sie, dass Politiker heute nicht mehr gewählt werden. Sie werden ernannt. Und sie dürfen erst dann von der Bühne abtreten, wenn sie denn ihren Auftrag erfüllt haben. Daher haben die folgenden Aussagen leider in der Realität wenig Bedeutung. Das Volk herrscht nicht.
Es wird geschätzt (konkrete Zahlen liegen angeblich nicht vor), dass eine Mehrheit der Bürger in der Bundesrepublik gegen einen Krieg gegen Russland ist.
Es gibt angeblich auch keine zuverlässigen Angaben zur Quantifizierung hinsichtlich der Bereitschaft der russischen Bevölkerung, einen Krieg gegen die Bundesrepublik zu führen. Die geschätzten Umfragewerte weisen aber eindeutig eine Ablehnung solch eines Krieges von der Mehrheit der Russen aus. Also:
Wenn die Bevölkerung in der Bundesrepublik und die Bevölkerung in Russland keinen Krieg will, warum sollte es dann einen Krieg geben? Wo ist da die Logik?
Damit wäre das Thema doch eigentlich erledigt. Aber wie oben erwähnt, das Volk hat nichts zu sagen. Die Kunst der Politik in einer Demokratie besteht heutzutage darin, das Volk davon zu überzeugen, dass es Unrecht hat und dass die Regierung Recht hat. Die Bundesrepublik ist angeblich eine Demokratie. So sagt man.
Der Staatschef in der Bundesrepublik ist ein Friedrich Merz. Friedrich Merz wird von weniger als 14 % der Bevölkerung unterstützt. Friedrich Merz will Krieg.
Der Staatschef in Russland ist Vladimir Putin. Die Zustimmungswerte für Vladimir Putin liegen aktuell zwischen 70 und 74 %. Vladimir Putin will Frieden.
Frage: Wie oft hat Friedrich Merz seit seinem Amtsantritt als Kanzler am 6. Mai 2025 den russischen Präsidenten um ein Gespräch gebeten? Antwort: Nicht ein einziges Mal. Friedrich Merz ist nicht an einem Ausgleich mit Russland interessiert. Er ist auch nicht an einem Gespräch mit Vladimir Putin interessiert.
Frage: Was hat Russland der Bundesrepublik angetan, was die Sanktionen und die Verweigerung von Gesprächsbereitschaft rechtfertigen könnte? Antwort: Nichts. Russland hat sich in keiner Weise unredlich oder gar aggressiv gegenüber der Bundesrepublik verhalten.
Vladimir Putin will Frieden und Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik. Friedrich Merz hingegen hat die größte militärische Mobilmachungsinitiative in der Geschichte des Landes gestartet. Alle Welt weiß, dass er damit nur einen angeblichen Feind im Auge haben kann: Russland. Also, warum will Merz diesen Krieg?
Ich überlasse es jetzt Ihnen, zu entscheiden ob Vladimir Putin oder ob Friedrich Merz die größere Glaubwürdigkeit hat. Wer ist für diese Krise verantwortlich?
Kann Friedrich Merz einen Krieg gegen Russland gewinnen?
Nach Einschätzung dieses Autors ist es unmöglich, dass die Bundesrepublik, selbst in Einbindung mit der NATO, einen Krieg gegen Russland gewinnen kann. Wie Vladimir Putin mehrmals aussagte, würde Russland, im wirklichen Ernstfall, sein Atomwaffenarsenal zum Einsatz bringen, anstatt sich zu ergeben. Seiner Meinung nach sei es für einen Russen undenkbar, nicht mehr als Russe in einem freien Russland leben zu können. Ein Russe würde eher den Tod vorziehen.
An dieser Stelle möchte ich Sie auf eine Serie von Interviews hinweisen, die der Filmemacher Oliver Stone im Zeitraum 2015 bis 2017 mit Vladimir Putin führte. Die Interviews sind auch als Buch erschienen. In diesen umfassenden Interviews erleben Sie Vladimir Putin als Mensch und als Politiker. Ich empfehle das Buch.
Sie werden Ihre eigene Einschätzung des Mannes haben, aber eines kann man dem Menschen Vladimir Putin nicht absprechen, nämlich seine Qualitäten: Vladimir Putin verfügt über eine umfassende Bildung, eine überdurchschnittliche Intelligenz, ein beeindruckendes Gedächtnis und eine Lebenserfahrung wie sie kein anderer aktueller Politiker in der Welt aufweisen kann. Kompetenz pur.
Zudem: Er hat wirklich eine Schwäche für Deutschland und die Deutschen. Schon in der Schule hat er Deutsch gelernt. Und während seiner Zeit im Geheimdienst hat er ein paar Jahre in der DDR gelebt.
Putin ist ein Präsident, vor dem man zumindest Respekt haben muss. Wenn Sie, wie dieser Autor, in den 90er Jahren Russland erlebten, dann stellen Sie fest: Unglaublich, was Putin in 26 Jahren geleistet hat. Eine beeindruckende Kehrtwende hat stattgefunden, von Chaos und Armut zu Ordnung und Wohlstand. Kein Wunder, dass die Mehrheit der Russen hinter ihm steht.
Demokratie gegen Diktatur
In den Gesprächen mit Oliver Stone äußerte sich Putin auch zum Thema Demokratie. Zitat: „Wissen Sie, es ist ein Irrtum und falsch, einer anderen Nation seine eigenen politischen Standards und Modelle aufzuzwingen. Ich beziehe mich insbesondere auf die Demokratie. Demokratie kann man nicht von außerhalb des Landes importieren. Sie kann nur im Lande selbst geboren werden. Sie von außen aufzuzwingen ist sinnlos, ist kontraproduktiv und schädigend.“
Russland ist nach geläufigen Interpretationen keine Demokratie sondern eine Diktatur. So sieht man das im Westen. Es hat in Russland nie eine Art westliche Demokratie gegeben. Wenn die Russen heutzutage gen Westen schauen, können sie sich doch wohl nur wünschen, niemals solch eine Demokratie zu bekommen.
Der amerikanische Richter am obersten Gerichtshof in den U.S.A., Louis D. Brandeis, sagte im Jahre 1933: „Wir müssen uns entscheiden. Wir können eine Demokratie haben oder wir können eine Situation haben, in der der Reichtum in den Händen von wenigen konzentriert ist. Aber wir können nicht beides haben.“
Als Vladimir Putin sein Amt antrat bat er die Oligarchen, die Milliardäre, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion das Staatsvermögen unter den Nagel gerissen hatten, er bat sie alle zu sich und sagte sinngemäß: Ihr habt Russland bestohlen, aber ich will das übersehen und euch euer Vermögen belassen. Unter einer Bedingung: Ihr werdet euch niemals in die Politik einmischen. Wenn doch, dann wird das für euch unerfreuliche Konsequenzen haben. Und genauso kam es. Einige forderten Putin heraus und verschwanden im Gefängnis oder im Ausland. Heute wagt das keiner mehr.
In einer Demokratie unserer Zeit herrscht das Kapital. Die Milliardäre bestimmen die Politik. Die Parteien, die Politiker, die NGOs, das ganz System ist gekauft. Also genau die Umkehrung der Situation wie heute in Russland.
Das Resultat: Russland funktioniert. Fahren Sie mal nach Moskau oder St. Petersburg. Schauen Sie sich das an. Die Bundesrepublik, Großbritannien oder Frankreich funktionieren nicht mehr. Warum nicht? Weil langfristig im Kapitalismus immer das Kapital die Macht ergreift. Das ist die innere Logik des Systems. Weil man im Kapitalismus mit Geld letztendlich alles kaufen kann. Alles. Auch Macht.
Wie sonst ist es zu erklären, dass Angela Merkel und ihre Nachfolger alles tun konnten, alles tun können, um gegen die Interessen des Volkes zu entscheiden und zu handeln? Sie haben in der Tat dem eigenen Volk den Krieg erklärt.
Die Institutionen der Kriegsführung gegen das Volk in der Demokratie
Abgesehen von den Regierungen selbst ist die Europäische Union (EU) ein wesentlicher Teil der Demokratie heute in Europa, da die meisten Gesetze eben in Brüssel erlassen werden. Obwohl die Führungsriege der EU nicht gewählt wurde. Aber darüber wird hinweggesehen. Die Menschen in Europa scheinen sich daran gewöhnt zu haben. 62 % betrachten die EU mit Wohlwollen.
Frage: Wie viele Menschen arbeiten für die EU? Antwort: Etwa 70.000. Etwa 70.000 Bürokraten, die nichts produzieren, was die Menschen in Europa brauchen. Eine gigantische Bürokratie wurde da in Brüssel aufgebaut.
Im Jahre 2000 betrug die Zahl der EU Angestellten etwa die Hälfte. Der Zuwachs erklärt sich zum Teil durch die Osterweiterung der EU. Aber sie erklärt sich auch durch das „Parkinsonsche Gesetz“, das 1955 von dem britischen Historiker und Soziologen Cyrill Parkinson aufgestellt wurde: Parkinson stellte fest, dass die Zahl der Angestellten in Behörden jährlich wächst – völlig unabhängig davon, ob die Menge der Arbeit zunimmt oder abnimmt. Die Mitarbeiter schaffen sich einfach gegenseitig neue Arbeit.
Man kann dem noch hinzufügen, dass Bürokratie einen Machtfaktor darstellt. Je mehr Bürokraten, je mehr Arbeitsgebiete in einer Gesellschaft sie abdecken, desto mehr Macht für die Führungsriege der Bürokraten. So kam es, dass Ursula von der Leyen, die Chefin der EU, heute viel Macht und Einfluss ausübt.
Abgesehen von den Beiträgen der Mitgliedsstaaten selbst, hat die EU als Institution direkt über 100 Milliarden Euro der Ukraine für ihren Krieg bereitgestellt. Ursula von der Leyen ist eine starke Befürworterin dieses Krieges gegen Russland und eine enge Verbündete von Vladimir Selenskyj.
Bürokratien schaffen sich ihr eigenes Imperium
Die Quintessenz ist, dass die EU über die Jahre ein Eigenleben entwickelt hat, das mit den ursprünglichen Aufgaben der EU immer weniger zu tun hat. Aus der EU wurde ein unabhängiges politisches Machtinstrument. In Kernbereichen, wie z.B. Außen- und Sicherheitspolitik, ist Einstimmigkeit erforderlich. Wie können aber 27 Mitgliedsstaaten einer Meinung sein? Disziplin muss also vorgegeben werden.
Sie sehen allein schon an dem Verhalten, an der Beziehung, an der Politik der EU zur Ukraine und zu Russland, dass die EU ein unabhängiges Machtinstrument ist. Auch sie ist für Krieg gegen Russland, obwohl alle Bevölkerungen dagegen sind.
Wenn man sich nun die Situation in der Bundesrepublik Deutschland anschaut, dann wird die Demonstration der Macht von Bürokratien noch beeindruckender.
Im Jahre 2000 waren insgesamt rund 4,91 Millionen Menschen im Öffentlichen Dienst beschäftigt. Im Jahre 2025 waren es 5,5 Millionen Menschen. 95.100 mehr als im Vorjahr. Und so wird das weitergehen. Das Parkinsonsche Gesetz ist unerbittlich. Die Bürokratie wird sich weiterhin über die Gesellschaften ausbreiten und das Leben in den Gesellschaften zusehends ersticken. Denn eine Bürokratie entscheidet vor allem zugunsten des Eigeninteresses dieser Bürokratie.
Eines der Grundübel in der Gesellschaft in der Bundesrepublik ist daher die zunehmende Verbürokratisierung des Landes. Die Verbürokratisierung hat ihre eigene Logik, kann also immer irgendwie gerechtfertigt werden mit den Gesetzen ihres eigenen Universums. Egal wie pervers das scheint. Aus einer Servicefunktion wurde eine Vormundschaft. Nicht mehr dienen, sondern herrschen.
Die NATO
Die Aufgabe der NATO bestand darin, die westlichen Demokratien gegen die Diktaturen des Ostens zu verteidigen. Wir wissen heute, dass die Gefahr eines Angriffs des Warschauer Paktes nie bestand. Die hatten im Osten andere Sorgen. Die NATO ist ein Geschäftsmodell. Mit einer entsprechenden Bürokratie.
Die ursprüngliche Aufgabe der NATO ist längst weggefallen. Aber die Bürokratie besteht nach wie vor. Die Rechtfertigung für das Fortbestehen der NATO musste quasi neu erfunden werden. Aber das war und ist nie ein Problem.
Wenn also die Völker der NATO Mitgliedsländer dummerweise Frieden wollen, dann setzt die NATO ihre beeindruckende Propagandaabteilung in Aktion. Die wird schon dafür sorgen, zu erklären, dass die NATO ein unerlässliches Instrument der Garantie des Friedens ist. Und wer wird schon gegen Frieden sein?
Der Prozess ist mit dem technischen Ausdruck „Perversion“ zu erklären: Perversion bedeutet die Verkehrung einer Sache in ihr Gegenteil. Nein, die NATO ist kein Instrument des Friedens für die Länder des Westens, sondern mehr oder weniger eine Garantie, dass es Krieg geben wird. Geben muss. Fragen Sie Friedrich Merz. Warum sonst diese gigantische Aufrüstung? Die alte Mär von: „Der Russe kommt“ hat sich doch wohl inzwischen als lächerliches Produkt von Propaganda entlarvt. Niemand auf Erden will Sodom und Gomorra, genannt Berlin, erobern. Warum sollte jemand diese Bundesrepublik erobern wollen?
Wollen die meisten Parteien im Bundestag Krieg?
Nun, zumindest will anscheinend die AfD Verständigung mit Russland. Wie können die es wagen, auszuscheren? Denn die Bundesregierung, die NATO, die EU, die haben sich doch alle inzwischen für Krieg gegen Russland entschieden.
Also wird die Bevölkerung mobilisiert: Die AfD sei angeblich eine verfassungswidrige Partei. Obwohl sie von über 40 % der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt gewählt wurde. Obwohl ihre Zustimmung in der Bevölkerung insgesamt wächst und wächst. Die AfD mag womöglich gar die Regierung übernehmen. Mein Gott!
Sie sehen schon, das Verhalten der Regierung der Bundesrepublik ist hanebüchen, eine Absurdität, die mit dem gesunden Menschenverstand nicht mehr zu greifen ist. Aber die Logik einer Bürokratie besteht im Primat ihres Eigenlebens.
Die Lösung dieses Konfliktes gegen die Bevölkerung ist ganz einfach: Die EU gehört abgeschafft. Die NATO gehört abgeschafft. Und die Bürokratie in Berlin gehört, von Ausnahmen abgesehen, abgeschafft. Wer braucht ein Ministerium für Bildung und Kultur in Berlin? Wer braucht ein Ministerium für innere Sicherheit? Außerdem: Die wichtigen Ministerien gibt es auf Länderebene ohnehin.
Wenn der Wille des Volkes nicht mehr respektiert, sondern bekämpft wird, kann man einer Regierung nur bescheinigen, dass sie dem eigenen Volke den Krieg erklärt hat. Das trifft insbesondere beim Thema Krieg gegen Russland zu, den das Volk nicht will. Dieser Krieg muss also dem Volke aufgezwungen werden.
Vladimir Putin in Moskau schüttelt derweil, erschüttert über solch Infamie, über solch geistige und moralische Armseligkeit, seinen Kopf: „Armes Deutschland“.
https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20262/der-krieg-als-waffe-gegen-das-eigene-volk/
