Automatische Sprühgeräte, bioaktive Substanzen und eine Technologie, die laut den eigenen Projektunterlagen sogar zur „großflächigen Inokulation von Tieren/Menschen mit biotechnologisch hergestellten Formulierungen“ eingesetzt werden könnte: Neue Recherchen von Jon Fleetwood zeigen, wie weit die staatlich finanzierte Entwicklung biologischer Aerosoltechnik in den USA tatsächlich ging – und dass die Arbeiten während der Covid-Pandemie weiterliefen.
2018 erhielt das National Wildlife Health Center des U.S. Geological Survey gemeinsam mit dem Palo Alto Research Center (PARC) Mittel für ein Projekt zur Entwicklung und Erprobung neuer Methoden, mit denen Impfstoffe und andere Behandlungen an frei lebende Fledermäuse verabreicht werden sollten.
Das Projekt hatte ein Gesamtvolumen von 829.466 Dollar. Vorgesehen war unter anderem eine automatische Sprühtechnologie, die Flüssigkeiten oder Gele auf Fledermäuse aufbringen sollte, während diese ihre Schlafplätze verlassen oder dorthin zurückkehren.
Doch die technischen Möglichkeiten gingen nach den Projektunterlagen erheblich weiter.
PARC beschrieb eine eigene Technologie zur großflächigen Aerosolverteilung hochviskoser und konzentrierter Flüssigkeiten. Dazu könnten ausdrücklich auch „bioactive formulations“ – biologisch aktive Formulierungen – gehören.
Dann folgt der bemerkenswerteste Satz der Dokumente:
„This technology has a potential application in large area inoculation of animals/humans with bioengineered formulations.“
Auf Deutsch:
Die Technologie habe eine mögliche Anwendung zur „großflächigen Inokulation von Tieren/Menschen mit biotechnologisch hergestellten Formulierungen“.
Diese Formulierung stammt nicht aus Fleetwoods Interpretation, sondern aus den veröffentlichten PARC-Unterlagen selbst.
Verbindung zu DEFUSE
Die Technologie tauchte anschließend im Umfeld des umstrittenen DEFUSE-Projekts auf.
DEFUSE sah vor, das Überspringen SARS-ähnlicher Coronaviren von Fledermäusen auf Menschen zu verhindern. Dafür sollten Fledermäuse unter anderem mit immunstimulierenden Substanzen sowie neuartigen chimären, polyvalenten rekombinanten Spike-Proteinen behandelt werden.
Als mögliche Verabreichungsmethoden werden in den Unterlagen Aerosolisierung, Nanopartikel und automatische Sprühverfahren genannt. Ziel war es, die Virusvermehrung und Virusausscheidung bei Fledermäusen zu reduzieren.
Damit war die Idee einer skalierbaren biologischen Aerosolverteilung keineswegs nur theoretisch.
Dann kam Covid – und die Finanzierung lief weiter
Besonders brisant ist die Chronologie.
Am 13. Mai 2020, mitten in der ersten Phase der Covid-Pandemie, erhielt PARC vom U.S. Geological Survey einen weiteren Auftrag über 198.940 Dollar. Die offizielle Beschreibung bestand lediglich aus vier Worten:
„DEVELOP & TEST SPRAY DEVICES“ – Sprühgeräte entwickeln und testen.
Der Vertrag begann am 13. Mai 2020 und lief bis zum 31. Dezember 2021. Die öffentlich einsehbaren Vergabedaten bestätigen sowohl Betrag als auch Auftrag und Laufzeit.
Parallel dazu führte der USGS während 2020 und 2021 weitere Labor- und Feldversuche mit Fledermäusen durch. Nach den von Fleetwood ausgewerteten Unterlagen wurden dabei auch Trägermedien für eine Anwendung mittels Sprühgerät untersucht und optimiert.
Der Abschluss des ursprünglichen Fledermausprojekts bestätigt schließlich, dass eine automatische Sprühvorrichtung tatsächlich entwickelt und getestet wurde.
Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet
Damit lässt sich eine bemerkenswerte Entwicklung dokumentieren:
Die US-Regierung finanzierte eine automatische Technologie zur großflächigen Verteilung biologischer Substanzen. PARC selbst beschrieb als mögliche weitergehende Anwendung sogar die großflächige Inokulation von „animals/humans“ mit biotechnologisch hergestellten Formulierungen. Die Technologie wurde im Umfeld von DEFUSE für biologische Interventionen diskutiert – und ihre Entwicklung wurde während der Covid-Pandemie mit einem weiteren USGS-Auftrag fortgesetzt.
Was die bislang öffentlich verfügbaren Dokumente dagegen nicht beantworten, ist ebenso wichtig:
Welche Stoffe wurden im Rahmen des 2020 vergebenen PARC-Auftrags tatsächlich durch die Geräte geleitet? Wo wurden die Geräte getestet? Und wer oder was war dabei den versprühten Stoffen ausgesetzt?
Fleetwood geht in seiner Recherche weiter und diskutiert mögliche andere biologische Stoffe und Anwendungen. Dafür liefert der bislang veröffentlichte Aktenbestand jedoch keinen Nachweis.
Es gibt insbesondere keinen Beleg dafür, dass während Covid heimlich Menschen mit diesen Geräten behandelt oder biologischen Stoffen ausgesetzt wurden.
Doch gerade deshalb sind die fehlenden Unterlagen von Bedeutung.
Denn dass die Technologie existierte, dass ihre mögliche Skalierung bis zur „großflächigen Inokulation von Tieren/Menschen“ ausdrücklich beschrieben wurde und dass Washington die Entwicklung entsprechender Sprühgeräte während Covid weiterfinanzierte, ist keine Spekulation.
Es steht in den Projekt- und Vertragsunterlagen selbst.
