Im August 1911 geht der Hauer Traugott Seidel auf der tiefsten Sohle von Schacht III des Steinkohlenwerks Morgenstern in Reinsdorf bei Zwickau am letzten Türstock der Grube vorbei – 1082 Meter unter Tage, im damals tiefsten Schacht Deutschlands. Am Ende einer Strecke, die niemand aufgefahren hat, steht noch ein Türstock. Er ist nicht mehr aus Holz.
Drei Tage später fährt Seidel noch einmal ein, allein. Seine Marke wird nie zurückgehängt. Binnen zwei Tagen ist die Strecke vermauert, binnen eines Monats die Akte geschlossen. Zwanzig Jahre später findet sein Enkel auf dem Dachboden ein Notizbuch – und was darin steht, steht in keiner Akte.
In diesem Video:
– Der Grubenriss von 1904 mit zwei Wörtern, die kein späterer Riss wiederholt
– Lohnbuch, Markenbuch und die Meldung an die Berginspektion Zwickau
– Was alte Kohlenbauern 1902 sagten und was der Jüngste der Kameradschaft 1927 zu Protokoll gab
– Seidels Notizbuch: die Tür, der runde Gang, die Halle und der Turm
– Das Materialbuch des Damms – und eine Rechnung, die nicht aufgeht
Wir stützen uns auf Grubenrisse, Werksbücher, Archivbestände und mündliche Überlieferung aus dem Zwickauer Revier. Wo sich die Darstellungen unterscheiden, zeigen wir beide.
